QO-100 Operating Guide

Umfassender Leitfaden für Betriebstechnik, Disziplin und Hardware

Minimal-Setup: Kosteneffizient in den Satellitenfunk

Der Einstieg in die Welt des geostationären Satellitenfunks muss kein Vermögen kosten. Dank moderner SDR-Technik und Massenmarkt-Komponenten aus dem TV-Bereich lässt sich eine leistungsfähige Empfangsstation für erstaunlich wenig Geld realisieren. Hier sind die Schlüsselkomponenten für dein erstes Setup:

Markus‘ Spar-Tipp: Viele alte Satellitenschüsseln landen beim Sperrmüll oder werden für ein paar Euro bei Kleinanzeigen abgegeben. Oft bekommt man sie inklusive Wandhalterung oder Stativ geschenkt. Nutze dieses gesparte Geld lieber für ein hochwertiges LNB!

Warum genau diese Hardware?

Im Gegensatz zum terrestrischen Funk sind die Anforderungen an die Frequenzstabilität auf 10 GHz extrem hoch. Ein Standard-LNB für das Fernsehen driftet bei Temperaturschwankungen um mehrere Kilohertz – das macht SSB-Empfang unmöglich. Das Bullseye LNB hingegen nutzt einen temperaturkompensierten Oszillator (TCXO), der das Signal stabil hält. Da ein SDR-Stick keine Versorgungsspannung für das LNB liefert, ist ein Bias-T zwingend erforderlich, um die Elektronik im Brennpunkt des Spiegels mit Strom zu versorgen.

Antennengeometrie: Centerfeed vs. Offset-Bauweise

Beim Empfang von 10 GHz Signalen zählt jeder Millimeter. Die Wahl des richtigen Spiegels beeinflusst nicht nur den Gewinn, sondern auch die Handhabung bei Wind und Wetter. Hier ein tieferer Einblick in die gängigen Bauformen:

BauformVorteile im BetriebNachteile / Herausforderungen
Offset-SpiegelDas LNB schattet die Reflektorfläche nicht ab. Durch die steile Bauform sammelt sich kaum Schnee oder Wasser im Inneren.Die mechanische Ausrichtung ist weniger intuitiv, da der Spiegel fast senkrecht steht, obwohl er „nach oben“ zum Satelliten schaut.
Centerfeed (Prime Focus)Absolut symmetrische Bündelung der Wellen, was theoretisch den höchsten Wirkungsgrad pro Quadratmeter bietet.Das LNB sitzt direkt im Weg der eintreffenden Wellen (Abschattung). Zudem neigen diese Spiegel dazu, Regenwasser zu sammeln.

Für den privaten Anwender ist der klassische Offset-Spiegel (60-80cm) die erste Wahl, da er günstig, leicht zu montieren und unempfindlich gegenüber Witterungseinflüssen ist.

Betriebstechnik: Die goldene Regel der AMSAT

„Dein eigenes Downlink-Signal darf unter keinen Umständen stärker sein als die offizielle PSK-Bake des Satelliten.“

Der Betrieb über einen Transponder wie den QO-100 ist eine Gemeinschaftsleistung. Da die verfügbare Energie an Bord des Satelliten begrenzt ist, muss jede Station verantwortungsbewusst mit ihrer Sendeleistung umgehen. Hierbei ist Vollduplex (das gleichzeitige Hören des eigenen Signals im Downlink) nicht nur ein Feature, sondern eine Pflicht für sauberen Funkbetrieb.

Die Gefahren von Übersteuerung

  • Belastung der Bordelektronik: Der Satellit verfügt über Akkumulatoren und Solarpanels mit begrenzter Kapazität. „Power-User“, die mit massiver Überleistung senden, entziehen dem Transponder wertvolle Energie.
  • Der AGC-Teufelskreis: Um sich selbst zu schützen, besitzt der Satellit eine automatische Verstärkungsregelung (AGC). Wenn eine Station zu stark sendet, regelt der Satellit die Gesamtverstärkung herunter. Dadurch werden alle anderen – schwächeren – Stationen leiser, was diese oft dazu verleitet, ihre Leistung ebenfalls zu erhöhen. Ein destruktiver Kreislauf beginnt.
  • Das LEILA-System: Um Disziplin zu erzwingen, überwacht die AMSAT-Zentrale den Transponder. Bei massiven Verstößen wird mit einer Verzögerung ein Sirenen-Signal über das störende Signal gelegt, um den Operator zur Leistungsreduktion aufzufordern.

S-Meter Feldstärke & Pfaddämpfungs-Simulator

Mit diesem Tool kannst du simulieren, wie viel Leistung am Empfänger unter Berücksichtigung von Distanz, Frequenz und Antennengewinn tatsächlich ankommt. Perfekt, um die theoretische S-Stufe für QO-100 oder terrestrische Verbindungen zu ermitteln.

S1S3S5S7S9+60dB
S 9
Eingangspegel am Empfänger: dBm | EMK: μV

© 2026 Markus (DL6MDX) | Lizenziert unter GNU GPL v3.0 | Berechnungslogik inspiriert durch HB9WDF

Bauhilfe: Schritt für Schritt zur ersten QO-100 Verbindung

Basierend auf bewährten Minimal-Konzepten lässt sich eine Station mit System aufbauen. Hier sind die Details, die über Erfolg oder Misserfolg beim ersten „Hello World“ über den Satelliten entscheiden:

1. Die Wahl des Spiegels und des Feeds

Ein handelsüblicher 80cm bis 90cm Spiegel ist die ideale Basis. Während 60cm für den Empfang ausreichen, bietet ein größerer Reflektor die nötigen Reserven für den Sendezweck auf 2,4 GHz. Das Herzstück ist die POTY-Antenne (Patch Of The Year). Dieser hocheffiziente Erreger lässt sich mit etwas Geschick aus 1mm Kupferblech und einem Standard-Kupferrohr selbst löten. Er sorgt dafür, dass die Polarisation perfekt auf den Satelliten abgestimmt ist und minimiert Verluste beim Senden.

2. Die Sende-Endstufe (Power Amplifier)

Um ein stabiles Signal in SSB zu erzeugen, benötigen wir ca. 5 bis 10 Watt Leistung an der Antenne. Viele Funkamateure nutzen hierfür preiswerte Treiber-Module oder modifizierte WLAN-Verstärker als Vorstufe. Für das finale Signal sind dedizierte Endstufen (z.B. basierend auf NXP-Transistoren) notwendig. Achte darauf, dass die PA eine gute Kühlung besitzt, da sie bei Dauerbetrieb (z.B. in FT8) sehr heiß werden kann.

3. Modernes SDR-Konzept (Adalm-Pluto)

Die modernste und flexibelste Lösung ist der Einsatz eines Adalm-Pluto SDRs. Dieser kleine Computer kann direkt auf 2,4 GHz senden und auf 10 GHz (via LNB) empfangen. Verbunden über ein Netzwerk- oder USB-Kabel mit der SDR-Console Software, hast du volle Kontrolle über den Transponder und kannst dank der integrierten Wasserfall-Anzeige freie Frequenzen sofort identifizieren.

Viel Erfolg beim Aufbau und hoffentlich bald hörbar über QO-100!

73 de Markus, DL6MDX